Produktionen in Entwicklung

Heimatwelten

Familie Moka auf einer Reise in die Vergangenheit

Produktionszeit 2019 – 2020

27. Januar 1945, ein kleiner Bahnhof in Schlesien. Kälte. Im Hintergrund das Donnern der Geschütze. Ein Zug mit Viehwaggons steht auf den Gleisen – rundum herrscht Chaos. Menschen drängen mit wenigen Habseeligkeiten dem Zug entgegen. Herbert Moka ruft, hier! Hier ist ein Platz. Er wuchtet seine Familie auf die mit Stroh- und Pferdekot bedeckten Holzplanken. Änne hält die 3jährige Bärbel fest im Arm. Renate, gerade fünfeinhalb Jahre alt, trottet hinterher. Hans-Jörg, der Große, verliert das Gleichgewicht und die Last des Rucksacks zieht ihn zu Boden. Letztlich finden alle einen Platz. Zusammen neun Verwandte suchen Halt in einer kleinen Ecke des Viehwaggons. Und aneinander. Der Zug ruckt an – kein Moment für Gespräche. Herbert steht im Gegenlicht zwischen den Gleisen. Mit 41 Jahren ist er nun Teil des “Volkssturms”. Langsam rumpelt die Familie aus dem Bahnhof, aus seinem Blickfeld.  Im “Reich” soll es sicher sein. Hoffen alle. Herbert bleibt allein zurück. Der Geschützdonner pausiert, doch die Kälte ist geblieben.

Kąty Wrocławskie hieß vor 1945 Kanth und ist eine Kleinstadt südwestlich von Wrocław (Breslau). Meine Mutter Bärbel wurde hier geboren. 1945 musste die Familie fliehen und fand letztlich in Saalfeld/Saale eine neue Heimat. In dem geplanten Dokumentarfilm möchte ich mich gemeinsam mit sieben Verwandten auf Spurensuche, eine Reise in die Vergangenheit begeben. Wir wollen uns in unserer Unterschiedlichkeit annähern und drängende Fragen aufwerfen. Unser Film soll einerseits in die Historie blicken und den Zusammenhalt einer Familie aufzeigen. Aus dieser Konkretheit heraus wollen wir eine universelle Dimension eröffnen: Fragestellungen wie Flucht, Entwurzelung, Weggehen und Ankommen thematisieren. Fragen, die bis heute aktuell sind. Wie verkraften Menschen den Wechsel gesellschaftlicher Systeme? Wie finden sie ihren Platz in der neuen Heimat? Wie passen sie sich in der neuen Realität an und behaupten sich letztendlich? Wie verarbeiten sie Erlebtes? Wie formt die Geschichte die Persönlichkeiten? Wie ging und geht die Familie mit deutscher Schuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten um? Was bedeutet die familiäre Geschichte im Jetzt und Heute?